1. SINATRA Traveling Conference – Networking and team building in entspannter Atmosphäre

20.-24. April 2026
Belgien & Niederlande

Intro

Es ist Ende April 2026, und wir sind als Gruppe von siebzehn Delegierten der SINATRA-Forschungsinitiative unterwegs. Eine Woche lang bereisen wir Belgien und die Niederlande – im Rahmen der allerersten SINATRA Traveling Conference. Unser Ziel ist klar: Wir wollen nicht nur Visitenkarten austauschen und dann weiterziehen; wir wollen langfristige, fruchtbare Verbindungen zwischen den jungen Gruppenleitern von SINATRA und anderen Forschern sowie politischen und industriellen Akteuren aufbauen. Ähnlich wie bei einer herkömmlichen Konferenz, aber anstatt die anderen Teilnehmer zu uns einzuladen, sind wir zu ihnen gereist.

Die Europäische Union „zum Anfassen“

Unsere Reise beginnt in Brüssel, und schon gleich zu Beginn steht die Frage im Mittelpunkt, wie Forschung und EU-Politik miteinander verflochten sind.

Wir beginnen bei der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union, die nur wenige Schritte vom Europäischen Parlament und dem Europäischen Ausschuss der Regionen entfernt liegt. Schon bei unserer Ankunft liegt diese ganz besondere Mischung aus Diplomatie, Strategie und dem Gefühl, dass „hier Entscheidungen getroffen werden“, in der Luft. Die Rednerauswahl ist bewusst vielfältig: Vertreter der Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen (KoWi), der Helmholtz-Gemeinschaft, des Brüsseler Büros der TUM, von A.SPIRE (Koordinator der im Rahmen von „Processes4Planet“ gemeinsam programmierten Partnerschaft) und von Hydrogen Europe. Genau diese Vielfalt macht die Veranstaltung so wertvoll: Wir sehen, wie die Repräsentanzen Forschung und Politik miteinander verbinden, als Knotenpunkte von Netzwerken fungieren und deutsche Forschungsinteressen im europäischen Kontext vertreten.

Am nächsten Morgen verbringen wir eine aufschlussreiche Zeit bei der Europäischen Investitionsbank (EIB). Verschiedene Mitarbeiter der EIB stellen Fördermechanismen und Finanzierungskonzepte vor, insbesondere im Hinblick auf Start-up-Projekte. Unser Verständnis von „Förderung“ wird strukturierter: Es geht nicht nur um Ideen, sondern auch um Instrumente, den richtigen Zeitpunkt und die Beständigkeit solider Konzepte.

führt uns zur Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission. An diesem Nachmittag erfahren wir gemeinsam mit Peter Härtwich mehr über die Förderlinien für die Forschung im Rahmen der drei Säulen von „Horizont Europa“ (2028–2034). Das Thema ist bisweilen komplex, ja sogar schwer verständlich – und gerade deshalb äußerst hilfreich. Wir gewinnen ein klareres Verständnis für die Funktionsweise des europäischen Forschungsökosystems und dafür, wie dessen Wege gestaltet werden.

Zwischen all diesen spannenden und inspirierenden Stationen hatten wir zudem die Gelegenheit, das Parlamentarium – Europas größtes parlamentarisches Besucherzentrum – zu besuchen und den europäischen Geist zu spüren.

Antwerpen – Wissenschaftlicher Austausch in einem ehemaligen Kloster

Als Nächstes reisen wir nach Antwerpen. CAPTURE und DECHEMA organisieren eine eintägige Konferenz in der eindrucksvollen Kulisse des Klooster van de Grauwzusters an der Universität Antwerpen. Der Ort strahlt eine ruhige, fast zeitlose Atmosphäre aus – während sich unsere Diskussionen ganz klar auf die Technologien konzentrieren, die einen zukunftssicheren Wandel ermöglichen können.

Moderiert wird der Tag von Jan Arends und unserem Dennis Krämer. Inhaltlich dreht sich alles um Materialien für die Wasserstoffproduktion, die Nutzung von grünem Wasserstoff und den Einsatz von nachhaltigem CO₂ auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Der Austausch ist lebhaft, zielgerichtet und erfrischend direkt. Forscher aus ganz Flandern tauschen sich mit den jungen Gruppenleitern von SINATRA aus – fachlich präzise und zugleich offen und verbindend.

Auf dem Programm stehen Beiträge von:

  • Mark Saeys (Universität Gent) | Heterogene Katalyse
  • Mohsen Gholami (Freie Universität Brüssel) | Entwicklung von Materialien für die elektrifizierte Adsorption
  • Marijke Mahieu (Universität Gent) | BE-HyFE-Projekt
  • Gabriele Manfredi (VITO) | Aktivitäten im Bereich Wasserstoff
  • Sammy Verbruggen (Universität Antwerpen) | Weiterentwicklung von Materialien und Reaktorgeometrien für die photo(elektro)chemische Wasserstoffproduktion aus verunreinigten Ausgangsstoffen
  • Järi Van den Hoek (Universität Antwerpen) | Von der Grenzflächenentwicklung bis zur Skalierung von CO₂-Elektrolyseuren

Wir beenden den Tag mit dem Gefühl, dass wissenschaftlicher Austausch genau so funktionieren sollte: zielgerichtet, hochwertig und wirklich verbindend.

Rotterdam & Amsterdam – Start-Up Energie und Kreislaufwirtschaft

Im letzten Abschnitt begeben wir uns nach Rotterdam und Amsterdam. Der Ton ändert sich: weniger Institutionen, mehr Umsetzung; weniger Konzepte, mehr Realität. Wir schauen uns an, was nötig ist, um aus Forschung ein Unternehmen zu machen – mit all den Herausforderungen und den seltenen, aber umso lohnenderen Momenten echten Fortschritts.

In Rotterdam betreten wir einen Ort, der seine eigene Geschichte erzählt: Ein altes Tropenbad wird von Blue City zu einem innovativen und inspirierenden Start-up-Ökosystem umgestaltet. Die Energie ist greifbar, mit einem klaren Fokus auf Bio-Design und biobasierte Lösungen. Nachhaltige Produkte wie plastikfreie flexible Verpackungen oder biobasierter Glitzer werden erforscht und dem Markt nähergebracht. Wir sehen, wie inspirierend es ist, wenn Nachhaltigkeit nicht nur ein Ziel ist, sondern die Grundlage eines tragfähigen Geschäftsmodells.

Unsere letzte Station führt uns zur Demonstrationsanlage von ChainCraft in Amsterdam, wo Fettsäuren als Grundlage für andere nachhaltig hergestellte Chemikalien – zum Beispiel Duftstoffe – produziert werden. Ein Detail bleibt uns besonders im Gedächtnis: Vor etwa zehn Jahren begann das Unternehmen als Projekt an der Universität Wageningen, und nun ist es auf dem Weg zum Bau seiner ersten Anlage im industriellen Maßstab. Das fühlt sich wie ein greifbarer Beweis dafür an, dass Skalierung kein Modewort ist – es ist ein Weg mit Meilensteinen, Hindernissen und Dynamik.

Wrap-Up – Kontakte, Einblicke, Aufschwung

Am Ende dieser Woche bleibt etwas zurück, das sich nur schwer in einem einzigen Satz zusammenfassen lässt: Die SINATRA Traveling Conference bringt uns mit Akteuren aus ganz unterschiedlichen Welten zusammen – und genau darin liegt ihre Stärke. Wir gewinnen Einblicke in Forschungsförderungsmechanismen, politische Entscheidungsprozesse und die realen Dynamiken bei der Skalierung von Projekten. Vor allem entstehen Gespräche, aus denen etwas wachsen kann: Kooperationen, Ideen und vielleicht auch Freundschaften im besten akademischen Sinne.

Und während wir unsere letzten Notizen zu Ende schreiben, wird uns bewusst: Wir reisen nicht nur durch Länder. Wir bewegen uns durch Systeme – und kehren mit mehr Orientierung zurück, als wir mitgebracht haben.